Es ist der 1.1.2020 und somit nicht nur der erste Tag eines neuen Jahres, es ist auch der erste Tag einer neuen Dekade. Etwas später als alle anderen, nutze ich den Neujahrestag um auf die vergangenen 12 Monate zurückzublicken und darüber nachzudenken, was die, aus meiner Sicht, bemerkenswertesten, die herausstechenden Dinge aus dem Bereich der Popkultur waren.

Vermutlich hätten noch deutlich mehr Filme, Serien, Musiker, Designer und Künstler einen Platz in dieser Liste verdient. Mit der folgenden recht kurzen Liste entlasse ich euch nun allerdings in das Jahr 2020 und wünsche alles erdenklich Gute.

 

Musik

Murkage Dave

Auch wenn Murkage Daves Debütalbum „Murkage Dave Changed My Life“ bereits im Oktober letzten Jahres erschien, gehört es wohl zu den Alben, die ich in den vergangenen 12 Monaten am meisten hörte. Dementsprechend verdient Mike Skinners ehemaliger Podcas-Kumpel definitiv einen Platz in dieser Liste. Hinzu kommt, dass am 9. Dezember das ebenso fantastische Album „We Need to Look After Us“ erschien, welches Murkage Dave gemeinsam mit Manga Saint Hilare veröffentlichte.

Thom Yorke – ANIMA

Mit ANIMA (erschienen am 27. Juni) schuf Thom Yorke, der es kürzlich mit seinem Song „Daily Battles“ aus dem Film „Motherless Brooklyn“ in der Kategorie Best Original Song auf die Shortlist der 2020 Academy Awards schaffte,  ein Werk, das gleich in zwei Kategorien eine Erwähnung verdient hätte. Zusätzlich zum eigentlichen Album produzierte Yorke in Zusammenarbeit mit Paul Thomas Anderson nämlich einen gleichnamigen Kurzfilm, der nach wie vor auf Netflix zu sehen ist.

 

Filme / Serien

Fleabag

Anfang 2017 erschien die erste Staffel der Serie Fleabag in Deutschland. Zwei Jahre und sechs Emmys später schlüpfte Phoebe Waller-Bridge – Hauptdarstellerin und Ideengeberin in Personalunion – für die zweite Staffel erneut in die Rolle der zynischen Meerschweinchen-Café-Betreiberin Fleabag, die immer wieder die sogenannte vierte Wand durchbricht und den Zuschauer an ihren chaotischen Gedanken teilhaben lässt. Ein Stilmittel, das sich selten so gut in eine Serie und einen Charakter eingefügt hat, wie in diesem Fall.

Nachtrag (06.01.2020):
Bei den Golden Globe Awards am 05.01.2020 gewann Fleabag den Preis als beste Comdey-Serie. Außerdem wurde Phoebe Waller-Bridge als beste Hauptdarstellerin in einer Comedy-Serie ausgezeichnet.

Guava Island

Auch wenn Donald Glover aka. Childish Gambino schon seit vielen Jahren mit seiner Musik und seinem Schauspiel erfolgreich ist, könnte man die letzten zwei Jahre dennoch als Durchbruch bezeichnen. Mit der Rolle des jungen Lando Calrissian in „Solo: A Star Wars Story“ , sowie dem, bei YouTube, über 624 Millionen mal abgespielten Video zu seinem Song „This Is America“ , schaffte er es, sich auch im Mainstream einen Namen zu machen. Als am 11. April der Kurzfilm „Guava Island“ , für den Glover das Drehbuch schrieb und an der Seite von Rihanna die Hauptrolle spielte, auf dem Coachelle Festival Premiere feierte, erreichte seine Karriere in diesem Jahr ihren vorübergehenden Höhepunkt. Seit dem 13. April gibt es den Film auf Amazon Prime Video zu sehen.

Joyn

Mit Apple und Disney sind im November nahezu zeitgleich zwei große Marken in den boomenden Markt der Streamingdienste eingestiegen. Mit deutlich weniger Medienecho ist allerdings schon im Juni ein weiterer Anbieter in Deutschland gestartet, der bereits seit 2017, mit mäßigem Erfolg, unter dem Namen „7TV“ lief. Mit der Umbenennung in „Joyn“ und den gelungenen Eigenproduktionen „Frau Jordan stellt gleich“ mit Katrin Bauerfeind und „Check Check“ mit Klaas Heufer-Umlauf sowie den Rechten an Christian Ulmens grandioser Serie „Jerks“ scheint der Neustart durchaus gelungen zu sein. Die drei genannten Serien können bisher kostenlos angesehen werden, mittlerweile gibt es mit Joyn Plus+ aber auch eine kostenpflichtige Variante.

 

Kunst / Design

KAWS BFF Pink Plush

Der ein oder andere würde vermutlich reflexartig behaupten, dass es sich bei einem pinkfarbenen Kuscheltier, das zwar limitiert aber dennoch in einer vermutlich drei- oder sogar  vierstelligen Stückzahl verkauft wurde, keinesfalls um Kunst handeln könne. Dass man ein solches Objekt sehr wohl als Kunst bezeichnen darf, verdankt Brian Donnelly aka. KAWS Künstlern wie Andy Warhol, der schon in den 1960er Jahren die serielle Reproduktion für seine Arbeiten als Stilmittel nutzte und dafür sogar deutlich alltäglichere Objekte, wie die weltbekannte Dosensuppe verwendete. Und so findet der „BFF Pink Plush“ völlig zu Recht in dieser Liste Erwähnung.

Takashi Murakami

Wie in jedem Jahr, hat sich Takashi Murakami auch in 2019 einen Platz in der Bestenliste verdient. Nicht nur, dass er seine Werke in diverse Ausstellungen präsentierte, mit PORTER eine Kollektion aus Taschen und Schuhen kreierte, jüngst die Künstlerausgabe der WELT gestaltete, er unterstrich auch einmal mehr seinen Status als Gesamtkunstwerk durch irrwitzige Outfits auf Veranstaltungen wie der ComplexCon.

Banksy auf der Biennale di Venezia

Auch zur 58. Ausgabe der Biennale di Venezia, die bis zum 24. November 2019 unter dem Motto „May You Live in Interesting Times“ stattfand, wurde einer der wohl bedeutendsten zeitgenössischen Künstler erneut nicht mit einer offiziellen Einladung bedacht. So beschloss Banksy kurzerhand, die Dinge in die eigenen Hände zu nehmen und erstmals eine seiner Arbeiten im Rahmen dieser renommierten Kunstveranstaltung zu präsentieren. Mit seinem kleinen Stand und seiner Kritik an der Umweltverschmutzung durch Kreuzfahrtschiffe, die Venedig besonders hart trifft, erregte Banksy in den Mainstream-Medien deutlich mehr aufsehen als jeder anderer Künstler, der seine Arbeiten offiziell auf der Biennale präsentierte.

Flat Eric 20th Anniversary Collector box

Ich kann mich noch genau daran erinnern, wie ich bei meinem Nachbarn auf dem Sofa saß und das erste mal einen kurzen Spot ohne Absender im Fernsehen sah, in dem eine seltsame gelbe Kreatur in einem runtergekommenen Amischlitten lässig den Arm heraushängen ließ und zu einem ungewöhnlichen Beat mit dem Kopf wippte. Als kurze Zeit später einige weitere kleine Clips mit der gelben Puppe und dem menschlichen Fahrer des Autos über den Bildschirm flimmerten, war auch der Absender klar. Statt der beworbenen knitterfreie Hose aus dem Hause LEVIS, wurde allerdings Flat Eric zum Star und Kultobjekt, was nicht zuletzt  am großen Erfolg des Songs von Mr. Oizo aka. Quentin Dupieux und dem grandiosen Video, mit dem Wiener Würstchen rauchenden Flat Eric in der Hauptrolle, lag. Anlässlich des 20. Geburtstags veröffentlich das Label von Mr. Oizo, Ed Banger Record, eine auf 2.500 Exemplare limitierte Collectors box, die Flat Eric und Flat Eric Junior als Plüschfigur enthält.

 

Mode

Veja V-Knit

Es ist schon einige Zeit her, dass ich auf Veja aufmerksam wurde und die Schuhe mit dem V an immer mehr Füßen zu sehen waren. Das wohl bekannteste und beliebteste Modell scheint nach wie vor der V-10 zu sein, den man in eine ähnliche Kategorie wie die aktuell extrem erfolgreichen Supercourt und SC Premiere aus Herzogenaurach einordnen kann. 2019 hat Veja sich in eine neue Kategorie gewagt und mit Unterstützung von Rick Owens den V-Knit auf den Markt gebracht. Zugegeben, der V-Knit erinnert recht stark an Modelle anderer Marken, die einen solchen Schuh aber nach wie vor deutlich weniger nachhaltig produzieren als Veja es tut.

Dior Men

Seit Kim Jones im März 2018 die künstlerische Leitung bei Dior Homme übernahm – und die Linie kurzerhand in Dior Men umtaufte – bekam das französische Modehaus so viel Aufmerksamkeit wie vermutlich lange nicht mehr. Für seine erste Kollektion holte er sich niemand geringeren als KAWS an bord, der neben einer riesigen BFF Figur aus rosafarbenen Rosen, die im Zentrum des kreisförmigen Laufstegs stand, auch noch einige Accessoires und Motive zur Summer 2019 Kollektion beisteuerte. Doch damit nicht genug, holte Kim Jones die Gründerin und Designerin des Labels AMBUSH, Yoon Ahn, in sein Team, um nunmehr die Jewelry Kollektion zu verantworten. Außerdem stärkte Kim Jones Dior Mens Bezug zu Streetwear, indem er mit Jordan den fantastischen Air Dior und mit Stüssy die Fall 2020 Kollektion präsentierte.

 

Honorable Mention

Kanye West

War ich in den letzten Jahren noch Fan seiner Musik und seiner Mode, so entfremdete ich mich in den zurückliegenden Monaten immer mehr von Kanye West. Oder er von mir. Schon die vielen Alben, die er im letzten Jahr im wöchentlichen Rhythmus unter seinem eigenen Namen oder als Produzent für Pusha T, Teyana Taylor und weitere GOOD Music Künstler, veröffentlichte, konnten nur bedingt meinen Geschmack treffen. Mit „Jesus Is King“ und „Jesus Is Born“ hat er es nun aber geschafft. Zwei Alben, mit denen ich weniger kaum anfangen könnte. Nichtsdestotrotz tauchten in diesem Jahr wieder mehr Modelle aus seiner Yeezy Kollektion auf, die vielleicht gewöhnungsbedürftig, aber eben auch völlig neu, gewagt und vorwärtsgewandt sind. Bleibt nur zu hoffen, dass im kommenden Jahr die Zeit der endlosen Wiederholungen der gleichen Modelle in minimal unterschiedlichen Farbwegen ein Ende hat, er sich weniger mit Gospelchören und Opern beschäftigt und sich im kommenden Jahr einen Platz in dieser unglaublich bedeutsamen Liste erkämpfen kann.